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Wie die Nutzfahrzeugbranche mit Digitalisierung gewinnt
June 24, 2021

Mobilität steht im Zentrum ihres Geschäftsmodells, doch auch selbst muss die Nutzfahrzeugbranche agil bleiben. Der Verkauf von Lastkraftwagen und Aftersales und Services bildeten viele...

Mobilität steht im Zentrum ihres Geschäftsmodells, doch auch selbst muss die Nutzfahrzeugbranche agil bleiben. Der Verkauf von Lastkraftwagen und Aftersales und Services bildeten viele Jahrzehnte das Rückgrat der Branche, die aktuell durchaus erfolgreich unterwegs ist. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die gesamte Branche mit Speditionen, Nutzfahrzeugbau- und -verkauf sowie Logistik selbst bei einem moderaten Wachstum von nur fünf Prozent weltweit einen Gesamtumsatz von über fünf Billionen US-Dollar erreichen. Dazu trägt maßgeblich die steigende Frachttonnage bei, die derzeit auch durch zunehmendes Online-Shopping wächst. Hauptwachstumstreiber indes sind innovative Mobilitätsmodelle und neue technische Möglichkeiten, die vor allem in Daten und deren Analyse liegen.

Das enorme Potential der neuen Technologien, die ergänzend zur Erfahrung und Branchenkenntnis von Experten in den Unternehmen zum Einsatz kommen werden, zeigt sich auch in einer aktuellen Studie von IBM: „Truck 2030“. Darin beleuchtet das IBM Institute for Business Value (IBV) Fragen, wie sich Nutzfahrzeugunternehmen in der Zukunft wandeln und wie Digitalisierung zu diesem Wandel beiträgt. Dafür wurden 1.320 Verantwortliche aus 1.188 Unternehmen in acht Ländern befragt, darunter auch Deutschland. Diese Unternehmen schließen Fahrzeughersteller und Zulieferer ein und haben insgesamt 16,7 Millionen Mitarbeiter.

Enormes Potential im Servicebereich

Die Veränderungen gerade im Speditionsbereich sind erheblich. Ging es zunächst um das arbeitsintensive Bewegen von Stückgut und die Erweiterung um komplexere Logistikprozesse, stehen heute Themen wie Capacity-as-a-Service, Crowdsourced Delivery, Truck Platooning, optimierte vorausschauende Wartung, Smart Cargo oder Fahrer-Assistenzsysteme im Fokus der Nutzfahrzeugbranche. Hinzu kommen Entwicklungen hin zu elektrischen Antrieben. Dank neuen Technologien wie Cloud, Künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Internet der Dinge wird sich die Branche rasant weiter verändern. Bis zum Jahr 2030 werden diese Technologien die Branche prägen. Laut der Studie, die IBM zusammen mit den Analysten von Oxford Economics erstellt hat, wird der Truck-as-a-Service Markt dann die Marke von 99,2 Milliarden US-Dollar überschreiten. Eine Milliarde Programmzeilen werden für ein vollautomatisches Fahrzeug nötig sein, 80 Prozent der kommerziellen Fahrzeuge werden vernetzt sein, und die Anzahl der Sensoren wird 100 Billionen erreichen.

Diese Entwicklungen werden der Nutzfahrzeugbranche ein hohes Maß zur Veränderung abverlangen. Innerhalb der Studienteilnehmer schälte sich eine Gruppe heraus, die treffend als „Visionäre“ bezeichnet werden. Sie setzen neben profunder Fachkenntnis vor allem auf eine digitale Transformation ihrer Unternehmen und Geschäftsmodelle – und sie sind damit überdurchschnittlich erfolgreich: Zwischen 2017 und 2019 waren Profitabilität und Wachstum ihrer Unternehmen messbar höher als bei der Konkurrenz. Diese Visionäre haben vor, schnell in neue Technologien zu investieren und ihre Geschäftsmodelle damit anzureichern und weiterzuentwickeln, um damit zum Beispiel neue Kundensegmente zu erschließen oder innovative Flottenmanagement-Lösungen zu entwickeln.

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Die Nutzfahrzeugbranche ist ein wachsender Markt mit wachsenden Chancen

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden technische Neuerungen und die sich verändernden Erwartungen der Endkunden die Haupteinflussfaktoren der Nutzfahrfahrzeugbranche sein. 465 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz werden vom Verkauf von Produkten in Servicebereiche verschoben. 64 Prozent der befragten Verantwortlichen glauben, dass die Zukunft ihres jeweiligen Unternehmens davon abhängt, ob sie es schaffen werden, sich digital neu zu erfinden. Vernetzte Produkte, das Teilen von Daten in Echtzeit und intelligente Assistenzsysteme helfen Flottenmanagern und Fahrern schon heute, ihre Aufgaben sicherer und zuverlässiger zu erledigen.

Der Blick auf des gesamte Ecosystem in der Nutzfahrzeugbranche und die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg ist entscheidend für den Erfolg, wobei Plattformen für alle Partner eine zentrale Rolle spielen werden. Die Branche wird in ihrer Transformation zwar auf eine Vielzahl von Plattformen setzen, die wichtigsten befinden sich nach Aussage der Studienteilnehmer jedoch in den Bereichen Geschäftsprozesse, Technologien und Flottenmanagement.

68 Prozent der befragten deutschen Unternehmensverantwortlichen sahen neue Kundensegmente als wichtigste Wachstumschance. Neue Produktkategorien und neue Geschäftsmodelle hatten bei ihnen ebenfalls Priorität. Und der Markt wird insgesamt nicht kleiner – die aktuellen Frachtvolumina sollen in der nächsten Dekade um satte 70 Prozent wachsen.

Investitionen in Mitarbeiter zahlen sich aus

Bereits heute wird in der Nutzfahrzeugbranche viel mit automatisierten Prozessen und Robotik gearbeitet, speziell im Fahrzeugbau. Dort sind große Potentiale in Verbindung mit dem Internet der Dinge und im Hinblick auf Optimierungen von Workflows zu sehen. Auch andere neue Technologien wie beispielsweise der 3D-Druck sind geeignet, die Wertschöpfung von Unternehmen in der Branche zu erhöhen.

All diese Veränderungen und die Einführung und Anwendung innovativer Technologien benötigen neben einer zentralen Unterstützung durch die Informationstechnologie auch erweiterte Fähigkeiten der Mitarbeiter, die mit neuen technischen Lösungen, Geschäftsprozessen und veränderten Zusammenarbeitsmodellen umgehen können müssen. Es wird erwartet, dass im Jahr 2030 weltweit 118 Milliarden US-Dollar für Weiterbildung der Mitarbeiter in der Nutzfahrzeugbranche ausgegeben werden. Die von IBM befragten Unternehmen sind sich sicher, dass es trotz Automatisierung und der Unterstützung durch künstliche Intelligenz auch in Zukunft nicht ohne fachlich hochqualifizierte Mitarbeiter gehen wird. Die wichtigsten benötigten Fähigkeiten verorteten die Studienteilnehmer dabei in den Bereichen Automotive-Technologie und -Prozesse und Geschäftstransformation.

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