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Das Auto der Zukunft: Mehr Code als Chrom

By | VP and Managing Director IBM
May 26, 2026

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto würde sich nicht mehr primär durch PS-Zahlen oder Hubraum definieren, sondern durch die Intelligenz seiner Software und die nahtlose Integration digitaler Dienste...

 

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto würde sich nicht mehr primär durch PS-Zahlen oder Hubraum definieren, sondern durch die Intelligenz seiner Software und die nahtlose Integration digitaler Dienste in Ihren Alltag. Was noch wie ferne Zukunftsmusik klingt, ist vielfach bereits Realität und der nächste große Wendepunkt in der Automobilindustrie. Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Ära, die alles verändern wird: die des softwaredefinierten Fahrzeugs (Software-Defined Vehicle, SDV).

Die Vision 2035: Das Markenerlebnis wird digital

Die Prognosen sind eindeutig: Bis spätestens 2035 wird die Software-Erfahrung den Kern des Markenwerts eines Autos ausmachen. Es geht nicht mehr nur um das Fahrgefühl, sondern um ein ganzheitliches, digitales Erlebnis. Eine aktuelle IBM-Studie untermauert diese Prognose eindrücklich: Drei Viertel von über 1200 befragten Führungskräften aus der Automobilindustrie gehen davon aus, dass die Software – von der Benutzeroberfläche bis zu den vernetzten Diensten – das zentrale Element sein wird, das eine Marke von der anderen unterscheidet.

Dieser Wandel führt zu einer fundamentalen Neuausrichtung der Wertschöpfung. Der Anteil an Forschungs- und Entwicklungsausgaben für das softwaredefinierte Fahrzeug wird von heute rund 21 % auf voraussichtlich 58 % im Jahr 2035 ansteigen. Das Auto, wie wir es kennen, erfindet sich neu – von innen nach außen.

Was macht ein Fahrzeug "softwaredefiniert"?

Im Kern geht es beim SDV um eine radikale Vereinfachung und Zentralisierung der Elektronikarchitektur. Statt bis zu 100 einzelner Steuergeräte, die jeweils nur eine oder wenige spezifische Funktionen erfüllen, setzen SDVs auf wenige, extrem leistungsstarke Zentralrechner. Diese sogenannten Zonen- oder Domänencontroller bündeln die Rechenleistung und ermöglichen eine konsequente Trennung von Hardware und Software.

Dies schafft die Voraussetzung für das, was wir von unseren Smartphones gewohnt sind: Over-the-Air-Updates (OTA). Ihr Auto erhält neue Funktionen, Sicherheitsupdates oder Effizienzsteigerungen einfach über Nacht, ohne Werkstattbesuch. So könnte beispielsweise die Reichweite Ihres Elektroautos durch ein optimiertes Batteriemanagement verbessert oder eine neue Funktion für das assistierte Fahren freigeschaltet werden. Das Fahrzeug wird zu einem dynamischen Produkt, das sich über seinen gesamten Lebenszyklus weiterentwickelt und für den Kunden stetig an Wert gewinnt.

Die Herausforderungen: Mehr als nur eine technische Umstellung

Der Weg zum SDV ist jedoch komplex und mit erheblichen Hürden verbunden. Die Zeiten, in denen Hersteller alles im Alleingang entwickeln konnten, sind endgültig vorbei. Die Branche steht vor drei zentralen Herausforderungen.

Herausforderung

Erläuterung

Hohe Investitionen

Die Entwicklung neuer E/E-Architekturen, der Einsatz von High-Performance-Chips und die nötige Cloud-Infrastruktur erfordern massive Vorabinvestitionen. Diese stehen in direkter Konkurrenz zu den ebenfalls enormen Ausgaben für die Transformation zur Elektromobilität, insbesondere für Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur.

Kultureller Wandel

Traditionelle, hardware-getriebene Entwicklungsprozesse, die über Jahre in linearen Zyklen (wie dem V-Modell) abliefen, müssen durch agile, softwareorientierte Arbeitsweisen ersetzt werden. Das erfordert ein Umdenken von der Führungsebene bis in die Entwicklungsteams und eine neue Kultur der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Fachkräftemangel

Der Markt für Talente ist hart umkämpft. Es fehlt an Expertinnen und Experten, die sowohl die klassische Fahrzeugentwicklung als auch die komplexe Welt der Cloud-Architekturen, der künstlichen Intelligenz und der Cybersicherheit beherrschen. Diese "Brückenbauer" zwischen den Welten sind entscheidend für den Erfolg.

 

Der Weg nach vorn: Partnerschaften und Künstliche Intelligenz

Wie können Automobilhersteller diese Hürden überwinden? Die Lösung liegt in einem Ökosystem-Ansatz und dem intelligenten Einsatz von Technologie. Kein OEM kann den gesamten, hochkomplexen Software-Stack allein beherrschen. Strategische Partnerschaften mit Technologieunternehmen, Hyperscalern und spezialisierten Softwarefirmen sind unerlässlich, um Entwicklung zu beschleunigen und Kosten zu senken.

Ein weiterer Schlüssel zur Bewältigung der Komplexität und des Fachkräftemangels ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im gesamten Entwicklungsprozess. Tools wie IBM Bob agieren als KI-Agenten, die Entwicklerteams aktiv unterstützen. Sie können selbstständig komplexe Aufgaben wie die Codegenerierung, das Testen und die Dokumentation von Software planen und ausführen. Das entlastet Entwickler von repetitiven Aufgaben und steigert die Produktivität enorm – bei IBM-internen Projekten um bis zu 45 %. So wird KI zum Katalysator der Transformation.

Ausblick: Das vernetzte und autonome Fahrerlebnis

Die Transformation zum SDV ist erst der Anfang. Der nächste Innovationsschub liegt in der tiefen Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umgebung (Vehicle-to-Everything, V2X). Autos, die in Echtzeit vor Glatteis warnen oder freie Parkplätze melden, sind keine Fiktion mehr.

Langfristig ebnet diese Technologie den Weg für das vollautonome Fahren, das unsere Mobilität und unsere Gesellschaft grundlegend verändern wird. Das Auto wandelt sich vom reinen Fortbewegungsmittel zu einem intelligenten, lernfähigen Begleiter – einem "dritten Lebensraum" neben dem Zuhause und dem Büro, definiert durch Software und angetrieben von KI. Die Reise dorthin hat gerade erst begonnen und verspricht, eine der spannendsten technologischen Revolutionen unserer Zeit zu werden. 

Weiterführende Informationen: https://www.ibm.com/de-de/industries/automotive und https://ibmix.de/branchen/automobilbranche

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