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Wie Software die Autoindustrie auf den Kopf stellt

By | Global Lead Client Partner Automotive, IBM Consulting
February 12, 2026

Die Automobilbranche steht vor der größten Transformationsphase seit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Moderne Fahrzeuge enthalten bereits über 100 Millionen Zeilen Code und verwandeln sich...

 

Die Automobilbranche steht vor der größten Transformationsphase seit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Moderne Fahrzeuge enthalten bereits über 100 Millionen Zeilen Code und verwandeln sich in rollende Computer. Software verbraucht heute bereits bis zu 40 Prozent der gesamten Entwicklungskosten in der Automobilbranche. Was früher hauptsächlich aus Metall, Gummi und mechanischen Teilen bestand, wird heute zunehmend von Software bestimmt.

Drei von vier Führungskräften in der Automobilbranche sind sich einig: Bis 2035 werden Fahrzeuge vollständig softwaregesteuert und KI unterstützt sein (IBM IBV Automotive 2035). Das bedeutet, dass das Auto der Zukunft nicht mehr nur ein Fortbewegungsmittel ist, sondern eine softwarebasierte Mobilitätslösung, die lernt, sich anpasst und kontinuierlich verbessert wird.

Ein Drittel der Automobilhersteller sieht bereits heute die größte strategische Bedrohung in branchenfremden Unternehmen und neuen Ökosystemen. Das traditionelle Geschäftsmodell wird von Tech Konzernen und Start-ups herausgefordert, die mit historisch gewachsenen Softwareentwicklungskompetenzen und datengetriebenen Ansätzen punkten.

Während OEMs in ferneren Märkten diesen Wandel rasant vorantreiben und bereits heute hohe Kapazitäten an wettbewerbsfähigen softwaregesteuerten Fahrzeugen für ihren eigenen als auch den Weltmarkt produzieren, müssen europäische Automobilhersteller lernen, sich deutlich schneller anzupassen. Die Geschwindigkeit der Transformation entscheidet zunehmend über Marktposition und Zukunftsfähigkeit.

Fünf Schlüsseltechnologien prägen die Zukunft

Die Transformation der Automobilindustrie wird von fünf zentralen Innovationsbereichen vorangetrieben. Von der nahtlosen Vernetzung über intelligente Partnerschaften bis hin zu personalisierten Erfahrungen durch Künstliche Intelligenz entstehen völlig neue Ansätze für die Entwicklung und Nutzung von Fahrzeugen.

Hybrid-Multi-Cloud Technologien: Moderne Autos sind nicht mehr isoliert unterwegs. Sie sind ständig mit der Cloud verbunden, tauschen Daten aus und erhalten Updates genau wie ein Smartphone. Diese Vernetzung ermöglicht es, dass Fahrzeuge auch Jahre nach dem Kauf noch neue Fähigkeiten erlernen können.

Partnerschaften statt Einzelkämpfer: Die traditionelle Automobilbranche mit ihren starren Hierarchien weicht zunehmend flexiblen Netzwerken. Automobilhersteller arbeiten heute eng mit Tech Giganten, Software-Unternehmen und anderen Partnern zusammen, um innovative Lösungen zu entwickeln.

Neue Finanzierungsmodelle: Statt für alle Funktionen im Voraus zu bezahlen, gehört die Zukunft flexiblen Modellen: Abonnements für bestimmte Services, temporäre Aktivierung von Features oder angepasste Leasing Angebote je nach Nutzung.

Android im Auto: Google's Android Automotive OS etabliert sich als führende Plattform für das Fahrzeugerlebnis. Das bedeutet vertraute Apps, nahtlose Integration mit anderen Geräten und eine Benutzeroberfläche, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Künstliche Intelligenz an Bord: KI macht Autos nicht nur schlauer, sondern auch persönlicher. Fahrzeuge lernen Gewohnheiten, passen sich Vorlieben an und treffen Entscheidungen in Echtzeit ohne ständige Internetverbindung.

Was bedeutet das für OEMs?

Diese Veränderungen bringen sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Automobilhersteller mit sich. Software ermöglicht es, personalisierte Fahrzeugerlebnisse zu schaffen, die sich kontinuierlich an Nutzergewohnheiten anpassen. Gleichzeitig entstehen neue Umsatzquellen durch datenbasierte Services und flexible Abrechnungsmodelle.

Die Sicherheitsarchitekturen werden grundlegend überarbeitet. Fahrzeuge können vorausschauend auf Gefahren reagieren, sich gegenseitig vor Hindernissen warnen und kontinuierlich aus Flottendaten lernen. Das schafft neue Standards für Fahrzeugsicherheit und eröffnet Möglichkeiten für innovative Versicherungsmodelle.

Strategische Herausforderungen für die Industrie

Datenschutz und Cybersicherheit erfordern völlig neue Sicherheitskonzepte. Die Integration verschiedener Systeme und Plattformen verlangt nach neuen Entwicklungsansätzen. Gleichzeitig müssen OEMs ihre Organisationsstrukturen anpassen und neue Kompetenzen aufbauen.

Unternehmen müssen lernen, wie traditionelle Automobilentwicklung mit Software-Innovation verschmilzt. Dabei spielen Investitionen in die richtige Technologie und die richtigen Partner eine entscheidende Rolle.

Der Weg in die softwaregesteuerte Zukunft

Die nächsten zehn Jahre werden entscheidend sein. Während manche Autohersteller noch zögern, haben andere bereits begonnen, Software in den Fokus zu rücken. Die traditionellen Grenzen zwischen Autobauer, Tech-Konzern und Serviceanbieter verschwimmen zusehends.

IBM unterstützt OEMs dabei, diese komplexe Transformation zu navigieren. Unsere umfassende Vision für softwaredefnierte Fahrzeuge hilft Automobilherstellern dabei, Partnerschaften zu orchestrieren, Wertschöpfungsketten zu optimieren und in jeder Phase der digitalen Transformation Mehrwert zu schaffen. Von hybriden Multi-Cloud-Lösungen bis hin zu KI-gestützten Edge-Computing-Systemen bieten wir die strategische und operative Begleitung, die traditionelle OEMs für den Sprung in die software-definierte Zukunft benötigen.

Das vollständige Whitepaper mit tieferen Einblicken zur Transformation der Automobilindustrie und in die Entwicklungen hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen finden Sie hier.

Alle Autorinnen und Autoren des Whitepapers sind: Ina Bolten-Wegner, Peter Schel, Matthias Hampel, Jake Reid, Gregor Resing, Ramon Wartala, Michel Nouguier, Ramon Di Canio, Can-Luca Gür, Eric Dulkeith, Martin Reinke, Hongtao Wei, Jannick Eisenhardt, Noriko Suzuki, Namit Agrawal

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